Super Bowl LX: Das einzige Team, das wirklich verloren hat, war MAGA

10. 2. 2026 / Fabiano Golgo

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Amerika hat ein besonderes Ritual. Einmal im Jahr schaut eine ganze Nation vorbei, um die American Football Finals zu sehen – ein Spiel, das wie Schach mit Kühlschränken aussieht. Der Super Bowl ist nicht nur ein Sport. Er ist ein Tempel. Die Werbung ist teurer als das tschechische Staatsbudget für Kultur. Eine Hymne, bei der man verpflichtet ist zu weinen. Und vor allem die Halbzeitshow während der Halbzeit, fünfzehn Minuten, in denen die Vereinigten Staaten sich selbst im Spiegel betrachten.

Dieses Jahr hieß der Spiegel Bad Bunny. Und MAGA erkannte sich in ihm nicht wieder.

https://www.youtube.com/watch?v=G6FuWd4wNd8

Übersetzt aus dem Tschechischen  von Uwe Ladwig


In einem Stadion in Kalifornien, wo die Seattle Seahawks und die New England Patriots versuchten, die Welt davon zu überzeugen, dass Football ohne Beine Sinn macht, ereignete sich zur Hälfte des Spiels eine weitere Gegebenheit. Eine kulturelle. Eine politisch nur deshalb, weil sie sich weigerte, politisch zu sein. Eine ästhetische. Und für einen bestimmten Teil Amerikas zutiefst beleidigend – weil es erfreudlich war.

Bad Bunny, ein puertoricanischer Musiker, der vom Reggaeton zu einer globalen Superstarexistenz heranwuchs und zum ersten lateinamerikaischen Solo-Headliner in der Geschichte des Super Bowls wurde. Schon das war für einige Amerikaner ein Schock, vergleichbar damit, dass sie erkennen würden, dass Tacos keine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellen.

Er sang fast ausschließlich spanisch. Er tanzte. Er lachte. Auf der Bühne fand eine echte Hochzeit statt – ja, zwei Menschen heirateten während der Pause der größten Sportübertragung des Jahres. Über ihnen stand die Inschrift: „The only thing more powerful than hate is love. “(Das Einzige, was mächtiger ist als Hass, ist Liebe."  In einem Land, in dem Hass oft als Patriotismus getarnt wird, klang das fast obszön.

Dann kam Lady Gaga, überfühhrt in den Rhythmus der Karibik, als hätte jemand Las Vegas ins Meer geworfen. Ricky Martin – eine puertoricanische Poplegende – trat mit einem Song auf, der über Amerika anders klang als üblich in einer Talkshow mit der amerikanischen Flagge im Hintergrund. Und um sie herum marschierten Schauspieler, Sänger, Tänzer – ein Amerika, in dem esnicht nur ein Gesicht, eine Sprache und nicht einmal nur einen Akzent gibt.

Am Ende sagte Bad Bunny: "God Bless America." Ein Ausdruck, den MAGA als Talisman verwendet. Dann listete er alle Länder beider Teile Amerikas auf – die nördlichen, zentralen, südlichen. Ein Kontinent, keine Festung. Amerika als Raum, nicht als Burg.

Und in diesem Moment kam es.

MAGA – eine politische Bewegung, die Nostalgie mit Ideologie verwechselt – hat einen Boykott erklärt. Spanisch ist "unamerikanisch". Der Tanz war "effeminiert". Liebe ist eine "Agenda". Die Ironie ist, dass Bad Bunny US-Bürger ist. Puerto Rico ist ein amerikanisches Territorium. Aber die Weltkarte ist nicht die Stärke einer Bewegung, die auch ein Problem mit dem Globus hat.

Die konservative Organisation Turning Point USA organisierte daher ihre eigene "All American Halftime Show". Ihr eigenes Universum, zu dem die Realität keinen Zugang hatte. Der Hauptstar war Kid Rock, ein Mann, der aussieht, als wäre er 2002 für immer eingesperrt worden. Die Show war vorab aufgenommen, technisch problematisch und begann erst nachdem Bad Bunny aufgehörte. Eine Revolution in Verzögerung.

Die Ergebnisse? Bad Bunny wurde von über 135 Millionen Menschen gesehen – ein Rekord in der Super-Bowl-Geschichte. Die alternative MAGA-Show etwa sechs Millionen. Ungefähr so viel wie die American Puppy Bowl schauen, eine Show, in der anstelle Sportler Welpen herumrennen. Die Symbolik war fast literarisch.

Donald Trump, der die Show von seinem Palast in Florida aus verfolgte, schrieb, es sei "die schlechteste Halbzeitshow aller Zeiten" und dass "niemand versteht, was der Typ sagt." Eine Beschwerde über die Sprache von einem Mann, dessen Sätze oft selbst in der Transkription keinen Sinn ergeben.

Konservative Kommentatoren schrien über die Politisierung der Musik. Es ist, als wäre die bloße Existenz des Spanischen ein Manifest. Als wäre Freude eine Provokation. Als wäre Liebe linksgerichtet.

Und vielleicht ist das der Kern der Niederlage.

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