Iraner, die im Vereinigten Königreich leben, sagen Starmer, dass der Krieg das Regime in Teheran nur stärken wird

13. 3. 2026

čas čtení 4 minuty

Nazanin Zaghari-Ratcliffe ist einer von mehr als 100 Unterzeichnern eines Briefes, in dem der britische Premierminister aufgefordert wird, sich nicht weiter in den Konflikt einzumischen

Nazanin Zaghari-Ratcliffe ist einer von drei ehemaligen politischen Gefangenen Irans und mehr als 100 Iranern, die im Vereinigten Königreich leben und den britischen Premierminister auffordern, sich nicht weiter in den Iran-Konflikt einzumischen.

Alle sind Unterzeichner eines an Keiru Starmer adressierten Briefes, in dem sie anführen, dass die Art und Weise, wie der Krieg geführt wird, das Regime in Teheran stärkt.

 Übersetzt aus dem Tschechischen  von Uwe Ladwig

 

Der Brief ist ein Gegenpol zu denen jener Mitglieder der Diaspora, die Reza Pahlavi unterstützen, den im Exil lebenden Sohn des ehemaligen pro-westlichen Monarchen Irans, und die die Angriffe auf den Iran als Vorbote eines Regimewechsels unterstützen. Pahlavi bot an, dass er den demokratischen Übergang leitet, aber Trump erklärte, er suche einen internen Kandidaten, der das Land im Nahen Osten führen soll.

In seinem Brief schreiben sie: "Niemand kann behaupten, sich das Ende der Islamischen Republik mehr zu wünschen als wir. Aber dieses Land auf diese Weise anzugreifen, wird den gegenteiligen Effekt haben. Sie wird autoritäre Kräfte festigen und die Fiktion wiederbeleben, die sie intern seit Jahrzehnten trägt: dass sie gegen den westlichen Imperialismus kämpfen.

Als Netanjahu – ein nach der Tötung zahlloser Zivilisten in Gaza wegen internationaler Kriegsverbrechen beschuldigter Mann - den iranischen Diktator ermordete, tötete er zwar den Mann, verbreitet aber einen Mythos. Die Iraner wollten, dass er für seine Verbrechen verurteilt  und bestraft werde, nicht dass er den Märtyrertod erhält, den er sich wünschte."

Der 86-jährige Oberste Führer Ali Khamenei wurde zusammen mit vielen Familienmitgliedern am ersten Kriegstag bei israelischen Luftangriffen getötet. Sein Nachfolger wurde einer seiner Söhne, Mojtaba Khamenei.

In dem Brief schlug die Gruppe eine Reihe friedlicher und praktischer Maßnahmen zur Unterstützung der internen Opposition vor, einschließlich jener, die im Gefängnis gehalten werden, wie etwa die Bereitstellung von Starlink zur Beendigung des sich fortsetzenden Ausfalls der Kommunikationsausfall im Iran.

Zaghari-Ratcliffe, eine britisch-iranische Doppelstaatsbürgerin, war seit 2016 für sechs Jahren hauptsächlich in Teheran wegen angeblicher Spionage inhaftiert. Unter den anderen Unterzeichnern befinden sich der iranische politische Gefangene Aras Amiri, ein ehemaliges Mitglied des British Council, der drei Jahren im Evin-Gefängnis in Teheran gefangen war und Nasrin Parvaz, der seit 1982 acht Jahre in iranischen Gefängnissen verbrachte. Unter den weiteren befinden sich prominente Künstler der iranischen Gemeinschaft, Akademiker und Schriftsteller.

Sie schreiben: "Eine pro-demokratische Politik würde politische Gefangene schützen und sicherstellen, dass Israel und die USA keine Gefängnisse wie Evin bombardieren. Gerade in seinen Zellen sitzen die zukünftigen demokratischen Führer Irans.

Pro-demokratische Politiken würden Internetgeräte – keine Waffen – über Grenzen schmuggeln und die Informationsblockade durchbrechen, die das ganze Land umfasst. Eine prodemokratische Politik würde Israels mörderische Politik verurteilen, selbst wenn sie sich gegen Führer richtet, die wir hassen. Aus Solidarität mit den Iranern kann viel getan werden. Aber sich Netanjahus endlosen Kriegen anzuschließen, gehört nicht dazu."

Starmer änderte seine Politik der Ablehnung jeglicher Zusammenarbeit mit dem US-Angriff auf den Iran und sagte, dass es notwendig sei, zu verhindern, dass die Golfstaaten Ziel des iranischen Angriffs werden.

Die iranische Gruppe führt in dem Brief aus, sie seien "von Traurigkeit überwältigt. Seit Jahrzehnten haben wir auf den Tag gehofft, an dem sich die iranische Demokratie endlich entwickelt. Viele von uns konnten den Iran seit Jahren nicht besuchen, aus Angst vor Gefängnis oder Schlimmerem."

Sie kritisieren den israelischen Führer und behaupten, seine Politik beruhe auf Rassismus, als er die Iraner aufforderte, „nicht tatenlos zuzusehen, sondern aufzustehen und die Arbeit zu Ende zu bringen." Sie lehnen die Annahme ab, die hinter seiner Aussage steht, dass "90 Millionen Menschen jahrzehntelang untätig auf seine Bomben gewartet haben."

Sie fügen hinzu: "Natürlich ist das nicht nur Netanyahus Krieg, Trump und die USA sind ein bedeutender Teil davon. Aber wie US-Außenminister Marco Rubio sagte: 'Der Präsident traf eine sehr kluge Entscheidung – wir wussten, dass Israel eine Aktion plant, wir wussten, dass es einen Angriff auf US-Truppen auslöst und wir wussten, dass wir, wenn wir nicht vorher präventiv  angreifen, bevor sie diese Angriffe starteten, erleiden wir höhere Verluste.' Die USA folgten  daher Netanjahu in diesen Krieg."

 

0
Vytisknout
272

Diskuse

Obsah vydání | 13. 3. 2026